Diskussion “Rechtsruck” – zum Kommentar: „Sind wir schon Rechts abgebogen?“

Diskussion "Rechtsruck" - zum Kommentar: „Sind wir schon Rechts abgebogen?“Lesereinsendung von Philipp B., Kommentar zum Text „Sind wir schon Rechts abgebogen?

Na klar sind wir das. Oder zumindest befinden wir uns im Scheitel einer Rechtskurve, die von einem großen Teil der Bevölkerung mit Begeisterung genommen wird. Ein relevantes Gegengewicht zum „Rechtsruck“ gibt es nicht. Die politische Linke ist gespalten und vom Volk isoliert. Eine gute Darstellung liefert das Buch „Proleten, Pöbel, Parasiten – Warum die Linken die Arbeiter verachten“ von Christian Baron. Ein recht aktuelles und greifbares Beispiel lässt sich mit der Schilderung eines Eindrucks vom „Fest der Solidarität“ diesen Sommer geben. Die Besucher des Festes waren letztlich die Standbetreiber samt Anhang. Vom Rest des Volkes, sprich Bewohner der Neckarstadt und Geflüchteten fast keine Spur. Dabei sollte doch vor allem unter diesen Solidarität aufgebaut werden. Stattdessen werden innerlinke Konflikte auf dem Fest und danach im Internet ausgetragen. Isolation.

Der Kommentar hat gut die besorgniserregenden Umstände dargestellt. Doch fehlt eine Idee, wie mit ihnen umgegangen werden soll: Was tun? Die politische Linke muss ihre Isolation vom Volk überwinden. Sie muss beispielsweise akzeptieren, dass „Kultur“ und „Heimat“ tatsächlich Konzepte sind, die für Menschen eine wichtige Rolle spielen. Hätten alle Menschen der Welt die Möglichkeit in ihrer Heimat zu leben, so würde die überwältigende Mehrheit genau das tun. Sie muss akzeptieren, dass nicht jeder Mensch den Ansprüchen an politische korrekte Ausdrucksweise genügt, die von manchen Linken gefordert werden. Sie muss weiter noch akzeptieren, dass nicht jeder Mensch die hohen und guten Ziele der LGBT-Engagierten teilt und sie als notwendig erachtet. Die politische Linke muss sich inhaltlich so aufstellen, dass sich Menschen ihr aus Eigennutz und nicht aus moralischen Gründen zuwenden. Man kann nicht von allen verlangen, dass sie auf die Rechte anderer pochen, während sie ihre eigenen Probleme haben. Man muss klar machen, dass es letztlich blanker Eigennutz ist, als normaler Lohnabhäniger gegen den Kapitalismus zu sein, weil er stets im Dienste der Ausbeuter unserer Arbeitskraft und unserer Lebensgrundlage Mutter Erde steht.

Kurzum: Aufgabe der politischen Linken ist eine Konsolidierung und eine volksnahe Arbeit in diesen Zeiten des Rechtsrucks. Eine Zuwendung zu brennenden Themenfeldern ist unumgänglich. Dazu zählt die Klassenfrage vor allen anderen. Sie ist die Frage, die die Menschen beschäftigt und auf eine diffuse Weise ist sie auch Katalysator der AfD, wenn nämlich ihre Anhänger denken, die Eliten von rechts in Bedrängnis bringen zu können. Wenn genau diese Anhänger in mittelferner Zukunft begreifen werden, dass die AfD wirtschaftlich ein neoliberales Monster im Dienste eben der Eliten ist, muss die politische Linke bereits konsolidiert sein und Antworten liefern können. Antworten, die verständlich sind und ohne Fremdwörter auskommen.

(Philipp B.)

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