Wiesloch: Massenschlägerei nach rassistischen Beleidigungen – Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch – Polizeibeschäftigter unter den Angreifern

Wiesloch: Massenschlägerei nach rassistischen Beleidigungen - Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch - Polizeibeschäftigter unter den Angreifern

Screenshot aus dem im Netz kursierenden Video

(aktualisiert) Am Samstagabend kam es vor einer Eisdiele in Wiesloch zu einer Massenschlägerei. Nach ersten Ermittlungen der Polizei soll eine „siebenköpfige Gruppe Junggesellenabschied feiernder Männer in angetrunkenem bzw. betrunkenem Zustand“ vor dem Eiscafé Gäste beleidigt haben. Die Polizei ermittelt, ob es sich um fremdenfeindliche Beleidigungen handelte. Zeugen berichten von „Sieg Heil“ und „Ausländer raus“ Rufen. Einem Opfer soll eine Flasche auf dem Kopf zertrümmert worden sein.

Im Netz kursiert ein Video, das den Vorfall zum Teil dokumentiert. Dort ist zu sehen, wie sich Personen schlagen, treten und mit Stühlen aus dem Café aufeinander einschlagen. In dem Geschrei können einzelne Gesprächsfetzen verstanden werden, aus denen hervor geht, dass der Angriff rassistisch motiviert sein könnte. Ein Angreifer nennt sich „SS Nazi“. Einige der Angreifer diskutieren mit einer aufgebrachten Frau, möglicherweise Italienerin, und versuchen sie auf ihre Seite zu bringen. Sie seien doch auch Christen, außerdem rufen sie möglicherweise „Duce“ (italienisch „Führer“ und Bezeichnung für den Faschisten Benito Mussolini). In einer Zuschrift an das KIM wird berichtet, ein Zeuge hätte allerdings die Rufe als “für Tugce” verstanden. Die Gruppe der Angreifer trägt szenetypische Kleidung, einer hat einen Fischerhut in den Farben des deutschen Reichs (schwarz-weiß-rot). Auf dem Video sieht man am Ende, wie zwei Streifenwägen der Polizei eintreffen und die Gruppe der Angreifer teilweise flüchtet.

Laut Mitteilung der Polizei wurde ein 41-jähriger Mann zur weiteren medizinischen Behandlung ins Krankenhaus gebracht, ebenso ein 24-Jähriger aus der Gruppe der Angreifer. Die Polizei ermittelt gegen fünf junge Männer im Alter zwischen 24 und 36 Jahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und der Beleidigung.

update 18.09.2018: Die Polizei teilte heute in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Staatsanwaltschaft Heidelberg mit, dass gegen sechs Männer im Alter zwischen 23 und 36 Jahren aus dem südlichen Rhein-Neckar-Kreis und dem Landkreis Karlsruhe wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, der Sachbeschädigung, des Landfriedensbruchs, der Volksverhetzung sowie des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt werde. Weiter teilte die Polizei mit:

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg konnte auf der Grundlage der bislang geführten umfangreichen Ermittlungen Durchsuchungsbeschlüsse gegen alle Beschuldigte erwirkt werden. Diese wurden noch am Montagabend vollzogen. Gegen die beiden mutmaßlichen Rädelsführer im Alter von 23 und 36 Jahren beantragte die Staatsanwaltschaft Heidelberg zudem Haftbefehle.

Die Haftbefehle seien jedoch unter Auflagen ausgesetzt, was bedeutet, dass sich die Beschuldigten alle wieder auf freiem Fuß befinden. Nach aktuellem Ermittlungsstand sollen die Beschuldigten bei einem Junggesellenabschied fremdenfeindliche Parolen und “politisch motivierte Schmähgesänge von sich gegeben haben”. Danach hätten sie die vor einem Eiscafé sitzenden Familien türkischer Herkunft angegriffen, unter anderem mit Stühlen und Tischen. Insgesamt fünf Personen seien leicht bis mittelschwer verletzt worden. Die Polizei berichtete zudem:

Die Ermittlungen haben auch ergeben, dass ein Tarifbeschäftigter der Polizei an den Geschehnissen beteiligt war. Der Inspekteur der Polizei, Detlef Werner, informierte Innenminister Thomas Strobl darüber. “Mit dem Innenminister besteht Einvernehmen darüber, dass aus einem solchen Verhalten umgehend personelle Konsequenzen gezogen werden müssen”, so Werner. Der 30-jährige Tarifbeschäftigte wurde deshalb mit sofortiger Wirkung freigestellt und von sämtlichen Aufgaben entbunden. “Die Polizei in unserem Land leistet hervorragende Arbeit. Die Menschen im Land können und sollen vollstes Vertrauen in sie haben. Gerade deshalb darf ein Einzelner nicht die gesamte Organisation diskreditieren. Nirgendwo in den Reihen der Polizei ist Platz für Straftäter oder fremdenfeindliches Gedankengut”, sagte der Inspekteur der Polizei, Detlef Werner. Sollten sich im Zuge des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens die Anschuldigungen gegen den 30-Jährigen erhärten, muss er mit der Entlassung aus seinem Angestelltenverhältnis rechnen.

Aus Antifa Kreisen wird berichtet, dass einige der im Video zu sehenden Angreifer zur ehemaligen Kameradschaft “Freie Nationalisten Kraichgau” gehören sollen, die eine enge Zusammenarbeit mit der NPD Rhein-Neckar pflegte.

(red)

 

Video der Massenschlägerei vor einer Eisdiele in Wiesloch
Quelle: Youtube, Link: https://youtu.be/Gf-Amj1QLq8
(Hinweis: Das Video enthält gewalttätige Szenen)

 

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