Buchbesprechung: Kesseltreiben von Dominique Manotti

Der neue Wirtschaftskrimi Manottis ist inspiriert von der Übernahme des Alstom-Konzerns durch General Electric (GE) in den Jahren 2013/2014. Obwohl Personen und Einzelhandlungen fiktiv sind, bleibt der Roman dicht an der Wirklichkeit, soweit ich das als damals betroffener Betriebsrat bei Alstom in Mannheim beurteilen kann. Also hat die studierte Wirtschaftshistorikerin Manotti wieder einmal gut recherchiert.

Buchbesprechung:  Kesseltreiben von Dominique Manotti

Aus dem Französischen von Iris Konopik; Argument-Verlag Hamburg 2018, Ariadne-Krimi 1231, 397S., ISBN 978-3-86754-231-9; €20.-

Ein hoher französischer Manger wird im Frühjahr 2013 bei seiner Einreise in die USA wegen Bestechung verhaftet. Damit beginnt der Roman und beschreibt eine von langer Hand vorbereitete Übernahme bzw. Zerschlagung des Alstom-Konzerns, bei der Wirtschaftsspionage, Erpressung, Betrug, Mord und schamlose Bereicherung auf der Tagesordnung stehen. Ein kleines Team des Pariser Nachrichtendienstes zum Schutze wirtschaftlicher Sicherheit um Commandantin Ghozali ermittelt und stößt auf Untätigkeit und Desinteresse der damaligen französischen, sozialdemokratischen Regierung. So ähnlich könnte es wirklich abgelaufen sein.

Nichts ist spannender als die Wirklichkeit. Wenn dann noch ein schnörkelloser, direkter Schreibstil mit kurzen Sätzen dazu kommt, ist Hochspannung von Anfang bis Ende garantiert. Die handelnden Personen sind gut beschrieben; man spürt, wie sie ticken. Nebenbei lernt man, wie Kapitalismus heute funktioniert. Natürlich können in einem Roman nicht alle wirtschaftlichen Hintergründe der Übernahme ausreichend beleuchtet werden. Nach Einschätzung des damaligen Euro-Betriebsrates war Alstom schon vor 2013 durch Misswirtschaft, Fehlinvestitionen in Überkapazitäten, Verlust an Marktanteilen tatsächlich am Rande der Zahlungsfähigkeit, so dass die Gläubiger-Banken und der Hauptaktionär auf einen Verkauf drängten. Auch ohne die im Roman beschriebenen kriminellen Machenschaften wäre eine Übernahme erfolgt. Denn wenn im Kapitalismus weltweit Überkapazitäten vorhanden sind, werden die schwächeren Konzerne von stärkeren gefressen. Fazit: ein lesenswerter Roman für Gewerkschafter und Freunde von Wirtschaftskrimis.

Nachsatz: Der Eurobetriebsrat von Alstom erfuhr wie die Öffentlichkeit im Nachhinein (März/April 2014) von der Übernahme durch GE. Erst nachdem die Belegschaften Druck machten, griff der französische Industrieminister Montebourg in den Übernahmeprozess ein und betrieb in Frankreich Schadensbegrenzung. Der damalige deutsche Wirtschaftsminister Gabriel dagegen tauchte ab und ließ den Kahlschlag an deutschen Standorten zu.

Joachim Schubert, Mannheim