Stellungnahme zu Causa Untermühlaustraße – “Wenn Sie Gas geben, schieße ich sofort in ihre Heckscheibe!”

Kein Polizeibericht, sondern ein Bericht über die Mannheimer Polizei und eine “verdachtslose” Polizeikontrolle am 25. Februar 2018

Anmerkung der Redaktion:

Am 13.06.2018 bekam René Gonnet von der Stadtverwaltung Ludwigshafen einen Bußgeldbescheid wegen unerlaubten Führens einer Waffe zugeschickt. Der behauptete Tatbestand bezieht sich auf eine Polizeikontrolle  am 25. Februar 2018 in Mannheim. Gegen den Bußgeldbescheid legte Gonnet Widerspruch ein. Der folgende Text ist aus der Stellungnahme von Gonnet entnommen, die an die Ordnunsgbehörde von Ludwigshafen gerichtet ist.

(… )Ich schildere die Vorfälle dieses kalten Februarmorgens ausführlich, um Ihnen zu verdeutlichen, warum es bei mir in den letzten 12 Monaten nun schon zum zweiten Mal zu einer “Polizeikontrolle” mit Nachfolgen kam (…)

Zu dem konkreten Vorfall:  Ich fuhr an diesem Sonntagmorgen durch die Mittelstraße in der Mannheimer Neckarstadt Richtung Jollystraße, nachdem ich bei einer Freundin übernachtet hatte und im türkischen Bäckereicafe Tad in der Mittelstraße das Frühstück zu mir genommen hatte. Ich war zu diesem Zeitpunkt alleine im Wagen und musste vom Ende der Mittelstraße erst einmal entgegengesetzt zur Fahrtrichtung Ludwigshafen in die Wendeschleife fahren, um wieder zurück über die Jungbuschbrücke in Richtung Ludwigshafen zu kommen. Dazu kam es aber gar nicht erst. Bereits in der Abzweigung der Mittelstraße zur Jolly Straße, Richtung Untermühlaustraße/Aral Tankstelle, bei der ich kurz aufs Abbiegen warten musste, hielt links von mir ein Streifenwagen der Polizei, an Bord unter anderem Polizeiobermeister A. (Name von der Redaktion geändert). Diskret angemerkt sei an dieser Stelle, dass meine linke Kopfseite mit, sagen wir mal, etwas markanten Tätowierungen versehen ist, einem bekannten Plakatmotiv über die Funktionsweise des Raubtierkapitalismus, einer verwesenden Fratze (oh, hat das auch was mit Kapitalismus zu tun?) aber auch mit dem Motto meines Vaterlandes seit 219 Jahren, der französischen Republik, “Liberté, Egalité, Fraternité”. Außerdem steht in meinem Gesicht zu lesen “no gods, no masters, only me” (das hat nix mit Kapitalismus zu tun, eher mit den Philosophen Bakunin und Kropotkin).

(…)  darf erstmal Jacke und auch Weste ablegen. Danach stehe ich im T-Shirt auf dem Gelände der Aral-Tankstelle, über das ein eisiger Wind weht. (…)

Wie auch immer, die Beamten beschlossen jetzt, mich zu einer aber wirklich gründlichen Untersuchung, inklusive nackig machen und in jede Körperöffnung gucken, mit auf die Wache zu nehmen. Zuerst bat mich aber Herr  A., meinen Opel auf dem Gelände der Aral-Tankstelle einige Meter weiter am Rande des Geländes abzustellen. Seltsamerweise warnte er mich vorher davor, nun “etwas zu versuchen”. Ich fragte ihn, was er denn damit meine. Er meinte “Na, zum Beispiel Gas geben, dann schieße ich Ihnen nämlich sofort in die Heckscheibe!”. (…)

Zur Person: 
René Guy Otto Gonnet
Tätowierungen an Gesicht („liberté, gealité, fraternité) , außergewöhnliche Frisur (Glatze oder auch roter Irokesenschnitt).
In den 1990er Jahren im Bereich Antifaschismus und Antirassismus tätig, z. B. in der Eigenschaft als zeitweiliger Betreiber des Antifa-Infotelefons Mannheim und im Vorstand des Trägervereins des Jugendzentrums in Selbstverwaltung JUZ. Aktuell Mitglied der Partei DIE LINKE.

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