“Solidarität mit Afrin!” – Trotz großem Polizeiaufgebot – 800 Menschen demonstrieren bunt und friedlich [mit Bildergalerie]

Start dem Demo war eine Kundgebung im Ehrenhof des Schloss | Bild: cr

Über 800 Menschen gingen am Samstag, 24. Februar, in Mannheim auf die Straße, um vom Schloss über die Breite Straße zum Alten Messplatz zu demonstrieren. Hierzu hatte eine Initiative von 26 deutschen, kurdischen und türkischen Organisationen aus Mannheim und Umgebung unter der Losung „Nein zum Krieg – Rüstungsexporte an die Türkei stoppen – Solidarität mit Afrin!“ aufgerufen.

Die Mehrheit der demonstrierenden Menschen hatten einen kurdischen oder türkischen Migrationshintergrund, aber bemerkenswerter Weise waren aber auch viele andere da. Das alles zusammen machte die Demonstration bunt und vielfältig. Die Polizei war sehr zahlreich (schätzungsweise mit ähnlicher Manpower wie die DemonstrantInnen) und zum Teil martialisch anmutend vertreten. Vom Stress mit den Ordnungsbehörden bekamen die DemonstrantInnen eher weniger mit. Die Demonstrationsleitung und die Einsatzleitung der Polizei konnten hier vernünftigerweise einen Konflikt vermeiden (siehe Kommentar „Ein Schritt Vorwärts – drei Schritte zurück“).

Zu der guten Stimmung beigetragen hatte sicherlich, dass eine Demonstration dieser Thematik endlich einmal wieder am Parade- und Marktplatz vorbei durch die Mannheimer Innenstadt führte. Immer wieder wurden in der jüngeren Vergangenheit von Seiten der Ordnungsbehörden Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Die VeranstalterInnen haben im Vorfeld deutlich gemacht, dass sie auf dieses Recht der freien Meinungsäußerung – gerade auch an den repräsentativen Orten der Innenstadt – großen Wert legen.

Deutliche Worte auf der Kundgebung

“Solidariät mit Afrin” – Die Demo am Marktplatz | Bild: cki

Auf der Kundgebung wurde von der Mannheimer Schauspielerin Bettina Franke ein Grußwort von Anita Starosta von medico international gesprochen. Sie machte vor allem auf die katastrophale Lage für die Zivilbevölkerung aufmerksam. Starosta selbst war auf Grund der aktuellen Entwicklung in Nordsyrien/Rojava kurzfristig verhindert.

Außerdem sprach Dr. Gundi Dilberz. Er ist promovierter Historiker und als „kurdisch-syrischer“ Exilant seit einigen Jahren in Berlin. Vorgesehen war bei der Veranstaltungsankündigung ein kurdisch/türkischer Journalist. Dr. Gilberz war aber viel mehr als ein Ersatz, sprach er doch als offizieller Repräsentant der „Demokratischen Selbstverwaltung von Rojava“. Entsprechend interessant war sein Beitrag als authentische Stimme aus Afrin und Rojava. Der Angriff der Türkei sei ohne jegliche Bedrohung seitens der kurdischen Selbstverwaltung erfolgt und deshalb völkerrechtswidrig und ein Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Die Zusammenarbeit mit syrischen Streitkräften in dieser Frage rechtfertigte er, da Syrien als souveräner Staat sein legitimes Recht in Anspruch nähme und seine Grenzen gegen die Türkei verteidige.

Abschlusskundgebung am Alten Messplatz | Bild: cr

Abgeschlossen wurde die Kundgebung durch eine Rede der Mannheimer Bundestagsabgeordneten der LINKEN, Gökay Akbulut. Sie forderte von der deutschen Bundesregierung, darauf hinzuwirken, dass der Angriffskrieg der Türkei sofort gestoppt wird. Es sei eine Doppelmoral des Westens, die Bombardierung der Zivilbevölkerung in Ost-Ghouta bei Damaskus zu verurteilen und dafür Syriens Assad und Russlands Putin verantwortlich zu machen, während sie zum Angriffskrieg der Türkei und seinen verheerenden Auswirkungen für die Zivilbevölkerung fast nichts zu sagen hat. Im Gegenteil – die türkischen Streitkräfte setzen in diesem Krieg massiv Waffen „Made in Germany“ ein, wie z.B. den Leopard-Panzer. Außerdem kritisierte sie das PKK-Verbot, das in seiner Konsequenz zu einem Organisationsverbot für alle KurdInnen führt, und forderte dessen Aufhebung.

(Text: Roland Schuster, Bilder: Christian Ratz / cki)

 

Siehe auch
Kommentar: Ein Schritt vorwärts – drei Schritte zurück!

 

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1 Antwort

  1. 27. Februar 2018

    […] Siehe auch “Solidarität mit Afrin!” – Trotz großem Polizeiaufgebot – 800 Menschen dem… […]