Globales Problem, globaler Protest – globaler Tanz. 200 Frauen gehen in Heidelberg auf die Straße [mit Bildergalerie]

Heidelberg. Sie werden geschlagen, vergewaltigt und missbraucht: Jede dritte Frau wird in ihrem Leben Opfer von sexueller Gewalt – das sind rund eine Milliarde Frauen und Mädchen.

„One Billion Rising“ – übersetzt, eine Milliarde erheben sich – ist die größte Bewegung der Welt – und sie zeigt, wie mächtig Frauen sind, wenn sie sich zusammenschließen. Die Kampagne macht auf die Gewalt gegen Frauen und Mädchen in aller Welt aufmerksam und hat zum Ziel, sie zu beenden.

Seit 2013 jedes Jahr am 14. Februar demonstrieren weltweit Frauen gemeinsam gegen sexuelle Gewalt, auch in Heidelberg.

Bereits zum fünften Mal hatten die Arbeitsgemeinschaft Heidelberger Frauenverbände und -gruppen (Frauen AG) in Kooperation mit dem Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg, der SPD Heidelberg, Bündnis 90/Die Grünen Heidelberg und der Bundestagsabgeordneten Dr. Franziska Brantner zur Tanzdemo durch die Hauptstraße aufgerufen. Heidelberg ist damit eine von über 190 Städten in Deutschland, die sich der weltweiten Aktion anschließen.

In Heidelberg zogen 200 Frauen am Mittwochnachmittag tanzend und lärmend vom Universitätsplatz über den Akademieplatz bis zum Bismarckplatz.

Viele von ihnen trugen die pinkfarbenen Strickmützen, die so genannten Pussyhats, mit denen in den USA Millionen von Frauen gegen Trump auf die Straße gingen.

Mit mehreren Redebeitragen am Universitätsplatz begann die Veranstaltung. Dorothea Kaufmann (Vorstand B90/Grüne Heidelberg) überbrachte die Grußworte der wegen des Politischen Aschermittwochs verhinderten Bundestagsabgeordneten Franziska Brantner.

„Lasst uns alle gemeinsam gegen Ungerechtigkeit, für Feminismus, Emanzipation, Geschlechtergerechtigkeit und die Abschaffung von Diskriminierung antanzen.“ Sie dankte allen Teilnehmer/innen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Männer und Frauen, Menschen, die sich klar zu einer gewaltfreien und solidarischen Gesellschaft bekennen.

Johannah Illgner und Martina Weihrauch (beide Frauen AG Heidelberg) sprachen davon, dass Frauen und Mädchen in der Bundesrepublik Deutschland und auch weltweit immer noch Gewalt erfahren. Sie fordern schon seit vielen Jahren, dass gegen jede Form von Sexismus vorgegangen wird. Mit der weltweiten Aktion „One Billion Rising“ setzen wir uns aktiv zur Wehr, gehen auf die Straße und thematisieren (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Durch die Demonstration und mithilfe des Tanzes soll ein starkes Zeichen der Solidarität gesetzt werden. Gleichzeitig distanzieren Sie sich von jedweder rassistischen Vereinnahmung dieser Aktion.

“Die öffentliche Diskussion und das Thematisieren dieses Problems sind wichtig, damit sich endlich etwas ändern kann.” Dabei wollen die Initiatorinnen vor allem die Bevölkerung wachrütteln. Überall täglich erfahren Frauen und Mädchen Gewalt.

Sophia Schreiber (Frauennotruf Heidelberg) hob das gut funktionierende Netzwerk der verschiedenen Frauengruppen in Heidelberg hervor. Der Frauennotruf ist eine von insgesamt zwölf Gruppen, die sich zur Frauen-AG Heidelberg vereint haben. Auch in Heidelberg ist Gewalt an Frauen ein sehr ernstes Thema. “Der Frauennotruf führt viele Gespräche, die jüngsten Frauen, die Kontakt zu uns oder Hilfe suchen, sind 14, die ältesten 75 Jahre”, so Schreiber. Der Frauennotruf Heidelberg zählt in Deutschland zu den ältesten und besteht seit 40 Jahren.

Marlen Pankonin (SPD-Kreisvorsitzende) sagte: “Gewalt an Frauen ist nicht länger hinzunehmen, diese Missstände sind rechtswidrig, und die Missachtung von bestehenden Regeln werden toleriert. Wir sind heute hier, laut und sichtbar und wir werden es nicht weiter tolerieren!”

Für Irmel F. ist es bereits die fünfte Veranstaltung an der Sie teilnimmt. Seit Beginn der Aktion 2013 ist Sie dabei. “Die bestehenden Probleme lassen sich wenig durch unsere Demo verändern. Wir brauchen die Politik wir brauchen starke Gesetze.” Damit sich die Politik diesem Thema annimmt und entsprechende Maßnahmen ergreift, müssten wir die Stimme erheben, schweigend Zuhause bringt gar nichts.”

Unter der Weltweit einheitlichen Hymne “Break the Chain” (“Zerreiße die Ketten”) setzte sich der Demonstrations-Zug mit gut 200 Demonstranten vom Universitätsplatz zum Anatomiegarten Richtung Bismarckplatz in Bewegung.

Frauen jedes Alters, viele Kinder, und auch viele Männer zählten zu den Teilnehmern dieser bunten Demonstration. Es war beeindruckend, wie viele Frauen und Männer sich in Heidelberg seit vielen Jahren zum Thema “Gewalt an Frauen und Mädchen” stark machen. Mit Ihnen Millionen rund um den Globus.

(Text und Bilder: Johnny Brambach)

 

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