Kommentar Hamburg G20: Die Hetztjagd ist eröffnet

Was hat die Soko “Schwarzer Block” erwartet nachdem sie für den heutigen Tag in Hamburg eine große Öffentlichkeitsfahndung angekündigt hatte?
Nicht etwa, dass Betroffene von Polizeigewalt die Füße stillhalten werden. Oder?
Die Art und Weise wie das linke Spektrum auf die Ankündigung reagiert hat, halte ich aus journalistischen Gründen für genauso mies, wie die öffentliche Hetzjagd die durch die heutige Veranstaltung der Hamburger Polizeibehörde initiiert wurde. Linke Aktivisten in Berlin hatten als Reaktion auf die Ankündigung der Hamburger Polizeibehörde ihrerseits Bilder von Beamten ins Netz gestellt und eine eigene Öffentlichkeitsfahndung gestartet. Am 18.12. veröffentlichte dann die Polizeio Videos und Fotos von möglichen Tatverdächtigungen. Solche Prangermethoden sind abzulehnen, da sie einzig und alleine nur dem Zweck der Denuntiation dienen.

Ich habe mir jedes Video und jede Fotoaufnahme, die von den Behörden heute ins Netz gestellt wurden angesehen, da ich derzeit selbst noch an der Aufarbeitung meines Einsatzes beim G-20-Gipfel arbeite.

Die Film- und Fotodateien die publiziert wurden und wie das Paket versucht wird “billig” im Blödzeitungsstil an die Leute zu bringen ist nicht nur krotesk, sondern erschreckend.

Vieles von dem Material was heute ins Netz gestellt wurde ist weder gänzlich neu, noch spektakulär. Das meiste davon hatte ich in den zurückliegenden Monaten selbst schon im I-Net gesehen.

Die Chance vertan hat heute die hanseatische Polizeibehörde in Hamburg um für “mehr” Glaubwürdigkeit zu sorgen, indem sie auch in der öffentlichen Fahndung nach Straftätern in den eigenen Reihen mit entsprechenden Film- und Fotobelegen (von denen es auch mindestens soviele gibt, wie die heute publizierten) geworben hätte.

Wo käme man da hin, wenn man als Fotojournalist beim G20-Gipfel ein Foto veröffentlichen würde, das drei Beamte einer Spezialeinheit zeigt, die diesen Pressevertreter ohne Grund, und obschon er mit Presseausweis und G20-Akkreditierung mehr als deutlich gekennzeichnet war, einfach Sekunden nachdem das Bild entstand, brutal über den Haufen rannten?

Ergebnis: eine beschädigte Fotokamera; Schulter- und Ellebogenverletzung…und ziemlich viel Zorn im Bauch wegen der unbegründeten Polizeigewalt, die ausgeübt wurde.

Zitat Olaf Scholz (SPD, regierender Bürgermeister Hamburgs) “Es gab zu keinem Zeitpunkt Polizeigewalt” (sinngemäss und auf den G-20-Gipfel Anfang Juli 2017 bezogen)

So funktioniert Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nicht!

Der Schutz der Pressefreiheit und die ungehinderte Ausübung der Arbeit für Medienvertreter muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein.

(Christian Ratz)

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