Osmanen Germania: UETD-Verbindungsmann zu türkischer Regierung kommt aus Mannheim

Das Symbolbild zeigt eine türkisch-nationalistische Demo nach dem Putschversuch 2016 in Mannheim

Der verlängerte Arm Erdogans reiche bis nach Mannheim und steuere von der Quadratestadt aus faschistische Schlägertruppen, die Gewalt und Schrecken verbreiten. Was sich nach einer fragwürdigen Verschwörungstheorie anhört, hat ein Rechercheteam von ZDF/Frontal 21 und Stuttgarter Zeitung kürzlich aufgedeckt und veröffentlicht. Der Mannheimer Ilkay Arin, bekannt als UETD-Vorsitzender, gilt als Verbindungsmann zwischen der türkischen Regierung und dem Rockerclub Osmanen Germania, die als ultranationalistische Gruppierung Gegner des Präsidenten Erdogan auch außerhalb der Türkei einschüchtern, bedohen und selbst vor brutaler Gewalt nicht zurück schrecken.

Im August 2016 soll beispielsweise der Chef der Saarbrücker Osmanen für einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Shisha-Bar verantwortlich gewesen sein. Das Ziel: Kurden. Mögliches Motiv: Rassismus.

Motorräder findet man bei der rockerähnlichen Vereinigung kaum. Dafür Propagandamaterial der “Grauen Wölfe”. Sie präsentieren sich in der Öffentlichkeit als Boxclub und fallen bei nationalistischen Pro-Erdogan Demonstrationen als Ordner auf. Zielscheibe der Organisation, die mit gewaltverherrlichenden Videos in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, sind insbesondere Türkei-kritische Menschen, wie Journalist*innen, aber auch kurdische Organisationen oder mutmaßliche Anhänger des Predigers Fethullah Gülen, den die türkische Regierung für den Putschversuch 2016 verantwortlich macht.

Logo der Osmanen Germania

Der AKP-Politiker Metin Külünk ist Beauftragter der türkischen Regierung für im Ausland lebende Türken. Durch seine Nähe zu den Osmanen, die er mit Fotos von gemeinsamen Treffen in Szene setzt, legitimiert er das Handeln der Organisation. Wörtlich soll er über Kurden gesagt haben, man solle “…mit Stöcken auf deren Köpfe schlagen”. Yilmaz Ilkay Arin gilt dem Bericht von Frontal 21 und Stuttgarter Zeitung nach als enger Vertrauter Külünks. Der UETD-Vorsitzende aus Mannheim soll nach einer Anweisung von Külünk die Osmanen beauftragt haben, eine Bestrafungsaktion gegen den Satiriker Jan Böhmermann durchzuführen. Die Sicherheitsbehörden warnten den Fernsehmoderator daraufhin und stellten Böhmermann unter Polizeischutz.

Die Polizei geht laut dem Bericht davon aus, dass Arin und Külünk in einen Waffendeal mit den Osmanen verwickelt seien. Observations- und Abhörprotokolle deutscher Sicherheitsbehörden würden das belegen. Die beiden sollen dabei geholfen haben, dass die Osmanen 20.000 Euro für die Beschaffung von Schusswaffen erhielten. Die Polizei fing daraufhin eine Waffenlieferung mit einer Maschinenpistole ab. Arin soll in abgehörten Telefonaten weitere “saubere” Waffen angeboten und von Munitionsdepots gesprochen haben.

Die Stuttgarter Zeitung dokumentiert auf einer interaktiven Karte die Chapter (vergleichbar mit Ortsgruppen) der Osmanen Germania. In Mannheim soll es 30 Mitglieder geben, in Ludwigshafen 25. Ein Heidelberger Chapter sei im März 2016 aufgelöst worden.

Bilgili Üretmen, Hauptredner einer Kungbebung türkischer Nationalisten auf dem Alten Messplatz, zusammen mit einem Vertreter der Grauen Wölfe und zwei Personen der Osmanen Germania

UETD steht für Union Europäisch-Türkischer Demokraten. Der Verein stellt sich als überparteiliche Organisation dar, gilt aber als treuer Unterstützer der AKP-Regierung in der Türkei mit dem Ziel der Einflussnahme auf Türkeistämmige im Ausland. So warb er für das Verfassungsreferendum und organisierte Busfahrten zu den Wahlbüros in den Botschaften. Yilmaz Ilkay Arin, ein Deutscher, ist Vorsitzender der UETD Rhein-Neckar. Suat Selcuk, ehemaliger Vorsitzender des Mannheimer Migrationsbeitrats und ehemaliger Generalsekretär der hiesigen UETD, ist mit Arin geschäftlich über die Firma “Müge Arin Transport” verbunden, die wiederum mit zahlreichen weiteren Firmen in Deutschland vernetzt ist. Recherchen der Stuttgarter Zeitung vermuten ein Scheinfirmennetzwerk mit dem Zweck illegaler Stützpunkte für geheimdienstliche Aktivitäten. Selcuk zog sich nach Kritik an einer Rede, die er für die UETD im Jahr 2013 verlesen hatte, von deren Spitze zurück.

Um die einleitende Bezeichnung “faschistische Schlägertruppen” zu konkretisieren, reicht es, das Geflecht dieser Organisationen mit den jeweiligen Bedeutungen auf zu zeigen. Die UETD ist der politische Arm der türkischen AKP-Regierung in Deutschland. Der türkische Gemeindienst MIT nutzt neben Botschaften und Konsulaten den Recherchen zufolge vermutlich Firmengeflechte, die personell eng mit der UETD verbunden sind. Als religiöser Arm kann die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs angesehen werden. Aber auch die staatliche türkische Religionsanstalt Ditib steht in Verbindung zum Netzwerk. Die Osmanen Germania gelten dann abschließend als Männer fürs Grobe, als Schlägertruppe mit faschistischer Ideologie im Sinne der “Grauen Wölfe”.

red

 

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1 Antwort

  1. 13. März 2018

    […] Am Morgen des 13. März durchsuchten Einsatzkräfte der Polizei Objekte des türkisch-nationalistischen Rockerclubs Osmanen Germania in mehreren Bundesländern. Auch in Baden-Württemberg kam es zu polizeilichen Aktionen. Nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten wurde in Mannheim die Wohnung des UETD Rhein-Neckar Vorsitzenden Yilmaz Ilkay Arin durchsucht. Die Union der Europäisch-Türkischen Demokraten (UETD) ist ein Verein zur Umsetzung der Ziele der AKP in Deutschland und Schnittstelle zur Rockergruppe Osmanen Germania. Arin gilt als Verbindungsmann zur türkischen Regierung und soll in Waffendeals mit den Osmanen verwickelt sein (Kommunalinfo berichtete). […]