Heidelberg: Gedenkfeier für ermordete Widerstandskämpfer*Innen [mit Bildergalerie und Video]

Etwa 80-100 Bürger*Innen nahmen an der jährlichen traditionellen Gedenkveranstaltung auf dem Bergfriedhof teil, zu der die VVN-BdA Kreisvereinigung Heidelberg eingeladen hatte. Die Teilnehmer*Innen zogen in einem Schweigemarsch zum Mahnmal der Opfer nationalsozialistischer Justiz um Kränze niederzulegen und um allen Ermordeten des menschenverachtenden NSDAP-Regimes zu gedenken.

Rückbesinnung, Erinnerung und zugleich Mahnung

Redner*Innen des DGB, der DGB Jugend und der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD/iL) erinnerten in ihren eindrücklichen Ansprachen an den millionenfachen Mord durch die Nazi-Gewaltherrschaft begangen an politischen Gegnern, Gewerkschaftern, Widerstandskämpfern, Andersgläubigen und Minderheiten. Ebenso wurde Kritik geübt: Militärische Auslandseinsätze und Waffenexporte müssten gestoppt werden, der Austritt aus der NATO müsse vollzogen werden – lauteten einige Forderungen in Richtung alter und neuer Bundesregierung. „Die Überwachung antifaschistischer Gruppen und deren Aktivist*Innen durch den Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) müsse ein Ende haben“, wurde ergänzt. Mahnend wurde dazu aufgerufen wachsam zu bleiben um die rasant ansteigenden rechtspopulistischen/-extremen Tendenzen und Straftaten im Inland, aber auch im europäischen Ausland, im Auge zu behalten.

Die angekündigte Hauptrednerin Chana Dischereit vom Verband deutscher Sinti und Roma – Landesverband Baden-Württemberg war aus persönlichen Gründen verhindert. Eine Antifaschistin verlas daher stellvertretend für Chana Dischereit deren Rede:

Das Moorsoldatenlied und rote Nelken

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung stimmte Michael Csaszkóczy, der den musikalischen Rahmen der Veranstaltung gestaltete, das Lied der Moorsoldaten an und lud die Anwesenden zum Mitsingen ein. Anschließend wurden zu Ehren der Opfer vor dem Mahnmal rote Nelken von den Teilnehmer*Innen niedergelegt. Es war zu beobachten wie nicht wenige Menschen im stillen Gedenken an die Ermordeten in Stille innehielten.

Kommentar
Aus dem Kreis der Mitorganisatoren wurde verlautbart, dass dieses Jahr deutlich mehr Menschen an der Gedenkveranstaltung teilgenommen haben wie noch in 2016. Dies freut den Berichterstatter zu hören. Welchen Anteil daran das angenehme spätherbstliche Wetter gespielt hat bleibt dahingestellt. Tatsache ist, dass für diese seit vielen Jahren wiederkehrende Gedenkveranstaltung weder von den Hauptverantwortlichen, der Kreisvereinigung des VVN-BdA Heidelberg, noch von den unterstützenden Organisationen im Vorfeld wirksam für eine Teilnahme geworben wurde. Nun gut, man könnte behaupten, dass es für eine solche traditionelle Veranstaltung keine besondere Werbung im Sinne der Bekanntgabe für eine größere Öffentlichkeit bedarf. Ist dies aber so richtig? Anwesende sagten, dass sie sich eine noch größere Teilnehmerzahl gewünscht hätten. Richtig ist, dass nicht nur Heidelberger anwesend waren, sondern auch Menschen aus z.B. Ludwigshafen/Rhein und Mannheim. Richtig ebenso und wichtig, gegebenenfalls dann für die Zukunft, ist es für die Organisatoren, auch in Anbetracht der gesellschaftlichen Alterspyramide, sich eine weitaus größere Präsenz und Aufmerksamkeit für diese absolut notwendige Gedenkveranstaltung zu erschließen. Die zurecht gesprochenen mahnenden Worte sind den Teilnehmer*Innen selbstverständlich. Daher sollte es den Verantwortlichen Motivation sein, dass Menschen die diese Mahnungen am 01.11.17 auf dem Bergfriedhof nicht erfahren haben, diese spätestens im kommenden Jahr zu Ohr bekommen.

(Text und Bilder: Christian Ratz)

 

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