Feudenheim: Wutbürgertum oder berechtigter Protest?

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2 Antworten

  1. Günther Frey sagt:

    Der Begriff “Wutbürgertum” ist ein neoliberaler Kampfbegriff. Er wird und wurde immer dann eingesetzt, um bürgerliche Proteste zu diskreditieren, u.a. auch den Protest gegen S21. Durch die Gegenüberstellung zu “berechtigter Protest” übernimmt der Autor dies unhinterfragt. Genauso schief liegt der Autor mit dem Begriff “partikulare Interessen” oder gar “egoistische Partikularinteressen”. Anliegen der BürgerInnenschaft sind meistens zunächst “Partikularinteressen”, was sonst. Im demokratischen Verfahren muss immer ein Ausgleich hergestellt werden. Ob es sich und wie sich dies dann als übergeordnet wichtig oder gar als fortschrittlich herausstellt, entscheidet sich im weiteren Verfahren. Die Ergänzung mit “egoistisch” unterstellt dann auch noch, dass es sich ganz und gar um nicht legitim vorgetragene Interessen ginge. Es bleibt im ganzen Artikel auch unklar, um nicht zu sagen nebulös, was denn nun die eigene Position des Autors bzw. die Position der Partei Die Linke in diesem Falle ist. Dies wüßte ich als Bewohner des Stadtteils Käfertal/Im Rott aber gerne. Im übrigen war ich auch gegen die BUGA und bin in meiner Meinung durch die Entwicklung noch bestärkt worden. Die Unterstellungen, die der Autor in seinem Artikel gegen vermeintliche Gegner der BUGA äußert, diskreditieren ihn endgültig als ernstzunehmenden Kommunalpolitiker.

  2. Steven Kunz sagt:

    Lieber Günther Frey,
    gleich zu Beginn meines Kommentars erkläre ich mich auch zu “den endgültig diskredidierten und nicht ernstzunehmenden Kommunalpolitikern” zugehörig. Und ich gebe zu, ich lebe gern mit diesem Stigma, das mir von bestimmten Personenkreisen verliehen wird und das mich in meiner Haltung nur bestätigt. Aber nun zum eigentlichen Thema, dem zentraliserten Betriebshof des Grünflächenamts. Dass niemand freudig reagiert, wenn so eine Einrichtung in seine unmittelbare Nachbarschaft verlegt wird, geschenkt und verständlich. Es stellt sich aber doch die Frage, gäbe es alternative Standorte, die unter gleichen finanziellen und logistischen Voraussetzungen ein Weniger an Belastung für dortige Anwohner bedeuten würde? Und wo bitte gibt es solche Standorte in einer Stadt wie Mannheim und Umgebung, die überall hochverdichtet ist. Da bleiben die Kritiker jede Antort schuldig. Ihr Credo ist lediglich bei und mit mir nicht. Und hier wirkt der Artikel Stephan Bordts keineswegs überheblich und herabwürdigend den Kritikern gegenüber, sondern er ist eine treffende Analyse tagtäglicher Erfahrungen derjenigen, die sich in politischen Gremien abrackern und sich sich für ihre Entscheidungen von einer bestimmten Klientel zum Teil in schon iunflätiger Art und Weise angreifen lassen müssen. “Wutbürger” ist daher keineswegs ein neoliberaler Kampfbegriff, sondern ein Erfahrungsbegriff, der speziell in Mannheim durch zahllose Beispiele aus dem Agieren der BUGA-Gegner belegbar ist. Wenn ich mir vorstelle, dass die BUGA-Befürworter, die beim Bürgerentscheid immerhin die Mehrheit stellten, genauso fanatisch und unversönlich ihre Meinung zur BUGA zu Markte getragen hätten wie die BUGA-Gegner, wäre Mannheim vermutlich in bürgerkriegsähnliche Zustände versunken. Ich bin Bezirksbeirat für die Innenstadt / Jungbusch und habe bei mehreren Projekten entsprechende Erfahrungen gemacht. Zu Wort melden sich in der Öffentlichkeit regelmäßig nur die Gebildeten, die mit ausreichend Zeit und in sozialer Sicherheit lebenden. Die Bürgerinnen und Bürger in meinem Wohnumfeld, in der östlichen und westlichen Unterstadt, gehören in der Regel nicht zu diesem Personenkreis. Aber auch sie haben eine Meinung und ein Recht auf Vertretung. Das wird von den Schäfers, Götzes und Hiemenzes gerne negiert. Das geht soweit, dass ganz offiziell und in Schriftform von BUGA-Gegnern gesagt wird, die Mehrheit für die BUGA kam nur durch Migranten zustande. Selbst das Wahlrecht für EU-Ausländer wird in völliger Verblendung und verfassungsrechtlicher Unkenntnis juristisch (erfolglos) angegriffen. Das alles muss man bei der Diskussion um den neuen Betriebshof wissen und die Wortführer kennen, wenn man die Dinge einordnen will. Bei nüchterner Betrachtung dieser Umstände kommt man dann eben nicht umhin, hinter den Protesten hauptsächlich Partikularinteressen und die Fortführung des Kampfs gegen die BUGA zu vermuten. Und um mich nicht dem Vorwurf aussetzen zu müssen, ich hätte keine Position zum vorgesehenen Standort des neuen Betriebshofs teile ich hier offiziell mit, dass er mir sehr gut gefällt, weil er groß genug gestaltet werden kann, weil er auf einem Gelände liegt, auf dem es bis zum Abzug des Miltärs deutlich mehr Verkehr gab, weil er am Rande des zukünftigen Grünzugs Nordost liegt, weil der zu erwartende zusätzliche Verkehr im Gesamtzusammenhang des bereits vorhandenen vernachlässigbar ist, weil es keinen gleich guten Alternativstandort gibt und weil sich am Ende des Prozesses herausstellen wird, dass die ganzen vortgetragenen Befürchtungen sich weitestgehend erledigt haben werden.

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