„Ein Zeichen des Widerstands“ – Breite Bündnisdemo gegen die AfD [mit Bildergalerie]

Klar, verhindern konnte die Demo den Einzug der AfD in den Bundestag nicht. Darüber machten sich die Organisator*innen auch keine Illusionen. Dennoch war es dem Bündnis Mannheim gegen Rechts und der Regionalgruppe Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar wichtig, das Thema auf die Straßen der Stadt zu tragen. Das ist ihnen gelungen. Hunderte Menschen aus verschiedenen politischen Zusammenhängen setzten ein starkes „Zeichen des Widerstands“ gegen die rechtspopulistische Partei – laut, bunt, friedlich und entschlossen.

Deutliche Kritik an der AfD

Zu Beginn der Veranstaltung, auf dem Willi-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof, erklärte ein Vertreter des Bündnis Mannheim gegen Rechts das Anliegen der Veranstaltung. Anhand dreier Beispiele wurde die AfD kritisiert: Für ihren Rassismus, der in Wahlplakaten über die Darstellung dunkelhäutiger Menschen deutlich wird, die mit Kriminalität in Verbindung gebracht werden, für ihre gesellschaftliche Rückwärtsorientierung, wenn sie beispielsweise gegen die Errungenschaften der Frauen- und 68er-Bewegung agitieren und für ihre Geschichtsvergessenheit, wenn sie stolz auf die „Leistungen“ deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen sind. Die abschließenden Parolen waren „Keine Stimme der AfD! Alle Stimmen für Vielfalt statt Einfalt!“

Musikalisch wurde der Auftakt von Björn Klumpp (Gitarre, Gesang) und Monika-Margret Steger (Gesang) umrahmt. Danach ging es los.

Vorbei am Blumepeterfest vor dem Wasserturm, zog der mittlerweile auf geschätzte 600 Personen angewachsene Zug durch die Fressgasse in die Breite Straße. Dort gab es am Marktplatz einen kurzen Redebeitrag der Gruppe Perspektive statt Alternative.

Kulturprogramm zum Abschluss

Anschließend setzte sich der Aufzug wieder in Bewegung und zog über die Brücke zum Alten Messplatz. Der Rapper Chaoze One eröffnete das Kulturprogramm mit einer eindringlichen Mahnung an die toten Flüchtlinge im Mittelmeer. Es folgten u.a. Beiträge der Bündnis-Regionalgruppe Aufstehen gegen Rassismus Rhein-Neckar, bei dem über den Kampagnenfahrplan bis 2021 informiert wurde.

Die Sängerin Gizem Gözüacik, Mitglied der DIDF-Jugend, die mit guter Beteiligung an der Demo teilnahmen, spielte gesellschaftskritische Lieder. Im Anschluss trat die Künstlerinitiative „Bunte Vielfalt statt völkischer Einfalt auf“. Nachdem der Kabarettist Einhart Klucke in gewohnter Art und Weise die BILD Zeitung als mitverantwortlich für den gesellschaftlichen Rechtsruck gebrandmarkt hatte, erklärte Bernd Köhler das Anliegen der Gruppe. Als er mitbekam, dass in rechtspopulistischen Kreisen das Lied „Die Gedanken sind frei“ uminterpretiert und gesungen wurde, sah er es als notwendig an, die freiheitlichen Gedanken der Kunst und Musik auf die Straßen und Plätze der Stadt zu tragen. Gerade gegen die beschränkte völkische Gedankenwelt der Rechten richte sich bunte und vielfältige Kultur. Für ihr Anliegen war die Demonstration gegen die AfD der richtige Ort und es gab viel Applaus von den verbliebenen Teilnehmer*innen der Kundgebung.

Breites Bündnis macht Mut für die Zukunft

Als am folgenden Tag das befürchtete Wahlergebnis über die Fernsehbildschirme flimmerte, machte sich niemand Illusionen, so etwas durch eine Demo verhindern zu können. Auch in unserer Stadt haben 12,8% der Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Das sind 18.308 Menschen.

Dennoch wurde mit der Demo ein deutliches Zeichen in die Stadtgesellschaft gesendet: „Wir stehen zusammen gegen rechts. Die AfD hat mit unserem Widerstand zu rechnen!“ wurde aus den Reihen der Antifaschist*innen deutlich. Neben verschiedenen demokratischen Parteien, nahmen Vereine, Gewerkschaften, Studierendengruppen, Migrantengruppen, der Migrationsbeirat, Antifa-Gruppen, Kulturschaffende und Menschen jeden Alters teil – ein breites Bündnis aus vielen Bereichen der Gesellschaft, wie es sonst nur selten zusammen kommt.

Rund 600 Menschen wurden gezählt, die den Protest einen Tag vor der Bundestagswahl auf Mannheimer Straßen und Plätze trugen. Spontan schlossen sich Passanten*innen dem Demozug, der auch von verschiedenen Politikern begleitet wurde, an. Die Veranstaltung traf auf überregionales Interesse. Menschen aus Ludwigshafen, dem Rheinpfalz-Kreis, Weinheim, Heidelberg, Bensheim, Schwetzingen, Landau und aus dem Raum Südpfalz beteiligten sich aktiv.

An Infoständen am Alten Messplatz in Mannheim konnten weitere Informationen bezogen werden. Alternativen zur selbsternannten „Alternative“ wurden aufgezeigt. Ganz pragmatisch wurde über eine Unterschriftensammlung zum „Wahlrecht für alle“ für die offene Gesellschaft geworben. Denn das ist sicher, wenn alle bei uns lebenden Menschen wählen dürften, wäre das Wahlergebnis für die AfD sicherlich schlechter ausgefallen.

(Text: cki und C. Ratz / Bilder: H. Roos und C. Ratz)

 

Bildergalerie

(© H. Roos und C. Ratz)

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