Benjamin-Franklin-Village: Verletzte nach Eskalation in Erstaufnahmestelle

Benjamin-Franklin-Village: Verletzte nach Eskalation in Erstaufnahmestelle

Das Symbolbild zeigt die Erstaufnahmestelle in der Industiestraße, einer von mehreren Standorten in Mannheim

Was passierte am Dienstagabend, 20. Juni in der Erstaufnahmestelle in der Columbusstraße? Dazu gibt es widersprüchliche Angaben. Die Polizei schreibt in ihrer Pressemeldung von einem Streit, an dem ein 19 jähriger aus Gambia und Sicherheitskräfte beteiligt gewesen sein sollen. Gegen 21 Uhr soll dieser bei der Essensausgabe in der Sammelunterkunft begonnen haben. Im Verlauf der Handgreiflichkeiten sollen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Kratzverletzungen am Rücken und Schnittverletzungen an den Unterarmen erlitten haben.

Anschließend sei die Situation eskaliert, als die Sicherheitskräfte den 19 jährigen am Boden fixiert hätten. Rund 250 Bewohner seien ihm zu Hilfe gekommen, der Sicherheitsdienst habe mit 25 Personen dagegen gehalten.

Ein Sprecher der Bewohner schilderte in einem Interview mit dem Bermudafunkt die Aktion folgendermaßen: Bei der Essensausgabe sei es zu einem Streit gekommen – wie es wegen Missverständnissen oft der Fall sei. Jedoch sei hier die Eskalation von Seiten der Sicherheitskräfte ausgeganen, die den Mann mit unverhältnismäßig brutaler Gewalt traktiert hätten. Ein Messer sei dabei nicht im Einsatz gewesen. Überhaupt sei die Aktion der Sicherheitskräfte gegen den schmächtigen, jungen Mann völlig unverständlich gewesen. Die umstehenden Bewohner hätten sich dann solidarisiert, da sie befürchteten, er könne zu Tode kommen. Es seien auch keine 250 sondern lediglich etwa 20 Bewohner gewesen, die sich eingemischt hätten. Die Bewohner selbst wollten dann die Polizei einschalten.

Bei Eintreffen der Polizei, die mit 10 Streifenwägen angerückt kam, hätten sich laut Pressemeldung viele der Beteiligten bereits aus dem Staub gemacht gehabt. Der 19 jährige Gambier sei nach einer Identitätsfestellung auf einer Polizeiwache wieder frei gelassen worden. Ein Messer habe man trotz Suche nicht auffinden können.

Anders schildern hingegen Bewohner der Sammelunterkunft die weiteren Vorgänge. Die Polizei sei mit Hunden in die Einrichtung gekommen und habe sich sehr aggressiv verhalten. Sie habe lediglich den Sicherheitsdienst befragt. Aussagewillige Flüchtlinge seien nicht gehört worden. Auch eine Mitarbeiterin des Roten Kreuz, die aussagen wollte, sei abgewiesen worden.

Der Vorfall sei von mehreren Bewohner mit dem Handy gefilmt worden, um Beweise für die Gewalt durch das Sicherheitspersonal zu haben, wie der Sprecher der Bewohner betont. Einem Bewohner, dem das filmen unterstellt wurde, sei von der Polizei mitgenommen und an einem ihm unbekannten Ort ausgesetzt ausgesetzt worden. Für den Rückweg habe er mehrere Stunden gebraucht, da er keine Orientierung hatte.

Die Schilderungen von Polizei und Bewohnern ergeben viele Widersprüche. Fakt ist, dass die Situation in der Erstaufnahmestelle extrem angespannt ist. Unmut macht sich vor allem unter den Geflüchteten aus dem Balkan breit. Den meisten von ihnen droht die Abschiebung, ihre Zukunftsperspektiven in den Heimatländern sind miserabel. Zudem macht das Gerücht die Runde, dass sie bis zu ihrer Abschiebung in der Erstaufnahmestelle bleiben sollen – mit allen Nachteilen, die von den Vertretern des Bewohnerrates seit Monaten kritisiert werden: Fehlende Privatsphäre, schlechtes Essen, übermäßige Kontrollen durch die Sicherheitsdienste bis hin zu gewalttätigen Übergriffen.

“Wir wollen keine Probleme. Wir sind hier wegen dem Frieden.” betont der Sprecher der Bewohner. Im Interview sagt er in Richtung Öffentlichkeit “Bitte kommt in die Einrichtung und macht euch selbst ein Bild.”

cki

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