Waffenbesitz und Drogenkonsum eingeräumt – Verhandlung gegen NPD-Stadtrat Hehl beginnt mit Teilgeständnis

NPD Stadtrat Hehl auf der Anklagebank

Zum Prozessauftakt gegen Christian Hehl, Stadtrat der NPD in Mannheim, räumte der Angeklagte einen Teil der Vorwürfe ein. Die Staatsanwaltschaft legt ihm den Besitz verbotener Waffen sowie gewerbsmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln zur Last. Mit dem Verkauf von Amphetamin soll er zum Teil seinen Lebensunterhalt finanziert haben. Während Hehl den Besitz eines Springmessers und zweier Schlagringe einräumte und eigenen Drogenkonsum bestätigte, bestritt er jedoch, Drogen verkauft zu haben. Vertreten wird der NPD Politiker von der Rechtsanwältin Nicole Schneiders, einer politischen Weggefährtin, die aktuell am Münchner Landgericht im NSU-Prozess den Angeklagten Ralf Wohlleben vertritt. Die Verhandlung fand unter Vorsitz des Richters Volker Schmelcher statt und wird in zwei Wochen fortgesetzt.

Christian Hehl galt jahrelang als wichtiger Multifunktionär der rechten Szene der Rhein-Neckar-Region. Als Integrationsfigur konnte er Verbindungen zwischen NPD, Freien Kameradschaften, Skinheads und Fußball-Hooligans schaffen. In den letzten Jahren wurde es politisch ruhig um ihn – trotz Erlangung eines kommunalen Mandats bei der Gemeinderatswahl 2014.

Abstieg eines rechten Skinheads

Um Hehl ist es einsam geworden. Politische Unterstützer fanden sich nicht im Gerichtssaal ein.

Zu Beginn des Verfahrens machte Hehl umfangreiche Angaben zur eigenen Person. Geboren wurde er 1969 in Ludwigshafen. Dort wuchs er bei seiner Oma auf. Eine Ausbildung in der BASF zum Chemikanten habe er nicht erfolgreich abschließen können, dennoch habe er einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Von 1996 bis 1998 sei er selbstständig (in dieser Zeit betrieb er den Nazi-Laden „Hehls World“ in Ludwigshafen), ab dann überwiegend arbeitslos gewesen. Er habe Schulden aus der Zeit seiner Selbstständigkeit, die er mit ca. 100 000 Euro bezifferte.

Er sei ledig und habe keinen Kinder. Aktuell sei er arbeitslos und lebe von Hartz IV sowie dem Zuschuss, den Stadträte für ihre Tätigkeit bekommen. Außerdem berichtete er von gesundheitlichen Problemen vielfältiger Art: Diabetes, Kreislaufprobleme, Herz- und Niereninsuffizienz, zudem leide er aktuell an einer Bronchitis. Der Verdacht auf Herzinfarkt, wegen dem der Prozessbeginn verschoben wurde, habe sich nicht bestätigt, jedoch wurde Vorhofflimmern festgestellt.

Waffen und Drogen

Zum Prozessbeginn räumte der Angeklagte Hehl einen Teil der Vorwürfe ein. Bei einer Hausdurchsuchung wurden ein Springmesser und zwei Schlagringe gefunden, Waffen deren Besitz verboten ist. Das Springmesser habe er schon vor vielen Jahren gekauft, warum genau könne er nicht sagen. Ein Schlagring habe ein Mann verloren, der seinen Nachbarn angegriffen habe. Hehl habe den Schlagring später im Hof gefunden und mit in seine Wohnung genommen. Wo der zweite Schlagring her käme, wisse er nicht.

Den Vorwurf des Verkaufs von illegalen Betäubungsmitteln hingegen bestritt Hehl. Dennoch räumte er eigenen Konsum ein. Er habe „zwei bis drei mal Amphetamin probiert“. Als seine Herzerkrankung festgestellt worden sei, habe er damit aufgehört. Bei der Hausdurchsuchung wurde auch eine „geringe Menge“ Cannabis gefunden. Hehl berichtete, zum einschlafen gelegentlich Cannabis zu konsumieren.

Nazis im Trinker- und Drogenmilieu

Ursprünglich hätte die Hauptverhandlung bereits im November vergangenen Jahres beginnen sollen (das Kommunalinfo berichtete), wegen gesundheitlicher Probleme des Angeklagten wurde der Prozess jedoch ins neue Jahr verschoben. Zum Prozessauftakt waren vier Zeugen geladen, die einen Einblick in das Milieu boten, in dem sich Hehl um 2010/2011 bewegte. Zeuge K. kann als Hauptbelastungszeuge angesehen werden. Er berichtete, wie er in diesen Jahren mindestens zehn mal jeweils ein bis zwei Gramm Amphetamin zum Preis von sechs Euro bei Christian Hehl kaufte. Die Geschäfte sollen meist am Küchentisch in der Wohnung Hehls in den S-Quadraten stattgefunden haben. Es wurde sich vorab mit konspirativen Begriffen am Telefon verabredet.

Silvesterraketen, T-Shirts, Paella und Taccos

Zeuge K. berichtete von einer SMS, die er Hehl geschickt und nach 50 Silvesterraketen gefragt habe. Das sei ein Synonym für Amphetamin gewesen. Die Polizei hatte in diesen Jahren umfangreich Telefone überwacht. Rechtsanwältin Schneiders spricht in ihren Ausführungen von mehreren hundert protokollierten Gesprächen oder SMS. Neben den „Silvesterraketen“ vermutete die Polizei weitere Codenamen für Drogen, z.B. „T-Shirts“ oder „Paella und Taccos“ was für „Amphetamin und Kokain“ stehen könnte. Teilweise wurde dies von Zeugen bestätigt.

In dieser Zeit soll sich viel in der Wohnung Hehls in den S-Quadraten, in einer WG in den R-Quadraten und in verschiedenen Kneipen abgespielt haben. Mehrmals wurde das „Rheingold“ in Neckarau genannt. Teilweise habe man sich auch vom Fußball gekannt (gemeint ist die Fanszene des SV Waldhof Mannheim). Ausschweifender Alkohol- und Drogenkonsum schien dabei stets das Verbindende gewesen zu sein.

Aus Freundschaften werden Feindschaften

Zeugin N., damals auch Betreiberin einer Szenekneipe, erzählte von einer langen Freundschaft mit Hehl. Auch sie berichtete von Drogenkonsum in der Szene. Zeuge O., der damals mit N. liiert war, berichtete später, N. habe ihm erzählt, dass sie für Hehl eine größere Menge Amphetamin aufbewahrt habe, um es vor der Polizei zu verstecken. Es folgten widersprüchliche Aussagen und Anschuldigungen. Außerdem sei alles ganz lange her, man könne sich nicht mehr richtig erinnern. O. berichtete weiter, Hehl sei damals in N. verliebt gewesen. Richter Schmelcher erwähnte, in der polizeilichen Aussage sei auch von Filmen die Rede gewesen, die Hehl von N. habe. O. ergänzte, das seien Pornos gewesen, die N. gedreht hatte und die Runde machten.

Dass sie Drogen für Hehl aufbewahrt habe, bestritt N. Sie habe lediglich Gerüchte gehört, dass Hehl so etwas konsumiere. Der Vorsitzende zitierte aus einer Akte, dass O. bereits wegen gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil von N. vor Gericht war. Die damaligen Szene-Freundschaften scheinen sich zu Feindschaften entwickelt zu haben.

Fortsetzung folgt

Weitere Zeugenaussagen sollen an einem zweiten Verhandlungstag gehört werden. Ob es zu Be- oder Entlastungen des Angeklagten Hehl kommt, ist fraglich. Viele der bisherigen Aussagen trugen wenig zur Erhellung des Tatvorwurfs „gewerbsmäßiger Handel mit BTM“ bei, blieben ungenau oder die die Zeugen konnten sich nicht mehr richtig erinnern. Die Aussagen des Zeugen K. wiegen jedoch schwer. Sollte Hehl verurteilt werden, droht ihm nicht nur eine Gefängnisstrafe, auch das Stadtratsmandat kann er verlieren. Dann würde der nächste Kandidat von der NPD Liste nachrücken: Silvio Waldheim.

Auf die Frage, warum das Verfahren abgetrennt von den anderen und erst sechs Jahre nach den Tatvorgängen begonnen hatte, gab es keine eindeutige Antwort. Eine Konkretisierung des Tatvorwurfs sei damals nicht möglich gewesen. Auch die politische Dimension, Drogenkonsum in der rechten Szene, blieb ein Randthema. Die Fortsetzung des Verfahrens ist auf den 19.5.2017 terminiert.

cki

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2 Antworten

  1. 10. Mai 2017

    […] Anm. d. Red.: Der Prozessbericht erschien zuerst bei Kommunalinfo Mannheim. […]

  2. 19. Mai 2017

    […] Waffenbesitz und Drogenkonsum eingeräumt – Verhandlung gegen NPD-Stadtrat Hehl beginnt mit Teilge… […]