Terror nach Terror – selektive Trauer

rg – Meine Gedanken und Eindrücke nach dem Schock dieser extralegalen Hinrichtungen von Unschuldigen war, dass es sehr viel tief empfundene berechtigte Empörung und Trauer weltweit gibt, aber auch gleichzeitig auf der anderen Seite sehr viel Heuchelei. Heuchelei von denen, die direkt verantwortlich oder indirekt mitverantwortlich dafür sind, dass es zu diesen Terrorakten gekommen ist: alle die verantwortlich sind für den Terror der Kriege, angefangen von Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Zerstörung von Libyen und Syrien mit Millionen vor allem zivilen Opfern. Verantwortliche und Akteure der Kriegswaffenexporte.

Ich empfinde es deswegen als pure Heuchelei, weil sie nicht genug dafür getan haben und tun, dass diese Konflikte friedlich gelöst werden, dass die Kriege und Interventionen aufhören und ausschließlich politische Lösungen dafür gesucht und gefunden und umgesetzt werden. Im Gegenteil: es gab und es gibt immer noch vielfältige westliche Ausbildungs- und Waffenhilfe nicht nur von Saudi-Arabien, Katar und der Türkei zum Beispiel nach Syrien, um die Regierung zu stürzen.

Selektive Trauer

Genauso ist es unerträglich, dass selektiv getrauert wird. Als etwa das Massaker des IS im Juni in Kobane war mit 229 Opfern, wurden die kurdischen KämpferInnen, die die meisten Opfer im Kampf gegen den IS zu beklagen haben, aber auch die größten Erfolge gegen den IS hatten und haben, weiterhin als Terroristen diskriminiert. Dies geschah nicht nur von der türkischen Regierung, die verantwortlich ist für Kriegseskalationen, weil sie Friedenslösungen ablehnte und mitverantwortlich für die faschistischen, möglicherweise auch staatsterroristischen, Attentate im Wahlkampf war.

Kobane, Irak, Libanon, Syrien, Jemen, wo Paris Alltag ist, gehören ja nicht zu “unserer europäischen Wertegemeinschaft“, nicht zum “zivilisierten Europa”, so der tiefsitzende kolonialistische Rassismus als ein weiterer Aspekt.

Wer spricht zum Beispiel über die 3.000 Opfer des Terrors gegen Kuba seit 1959. Über 3.000 Opfer von Terroranschlägen, gezielten Flugzeugabschüssen, Sabotageangriffen und Versprühen von Giften. Wer spricht von den 1,5 Millionen Opfern von Militärinterventionen und inszenierten rechten Staatsstreichen in Südamerika? Wo ist die Trauer über die weit mehr als 100 Opfer des barbarischen faschistischen Anschlags auf das Gewerkschaftshaus in Odessa?

Nationalistischer Terror

Wer spricht über die staatlichen Verwicklungen der “NSU”? Wer spricht darüber, dass es endgültig vollständig aufgeklärt werden muss, wie umfangreich die staatliche Beihilfe zu diesen Mordtaten war – Straffreiheit wäre unerträglich!

Die Mitwisser verbreiteten zur Ablenkung noch Kampagnen, in denen sie die Opfer zu Tätern machten. Seltsames unaufgeklärtes Ableben von wie viel Zeugen und / oder aussagewilligen Tätern.

Wer spricht über die Gladio-Verbrechen seit den 50er und 60er Jahren? Bei der Intervention Frankreichs in Mali geht es auch um den Zugriff auf Uranvorkommen, die gebraucht werden für die überflüssigen Atomkraftwerke. Bundeswehr Soldaten bekommen jetzt den Befehl zum Einsatz auch dorthin; es geht wohl darum, dass deutsche Konzerne nicht zu kurz kommen, wenn es um die Teilung der Beute geht.

So empfinde ich vieles, was gerade die Mainstream-Medien beherrscht an Trauer und Empörung und selektiver Berichterstattung als ziemlich heuchlerisch und vor allem manipulativ verkürzt, wenn die Ursachen fast vollständig ausgeblendet werden.

Widerstand gegen Krieg und Ausbeutung geht weiter

Der Widerstand und die Forderungen nach Schließung oder Konvertierung aller Militärstandorte auch in Mannheim, wie die Konversion der Coleman-Barracks, die eine Rolle spielen bei den Aufrüstungen und Einkreisungen gegen Russland, wird wohl weitergehen müssen. Die weitestgehenden Forderungen sind selbstverständlich:
Schließung aller Militärstandorte. Rückzug der USA, der Nato und auch der Bundeswehr sowohl aus Arabien als auch aus Osteuropa.

Wie den Widerstand bündeln: Gegen den Generalverdacht auf Geflüchtete, gegen den geplanten weiteren Ausbau des Niedriglohnsektors einschließlich Entrechtungen und Angriffen auf gewerkschaftliche Grundrechte, gegen den weiteren Ausbau in Richtung eines militarisierten Polizei- und totalitären Überwachungsstaates einschließlich immer mehr Grundgesetz-widriger Einsätze der Bundeswehr im Innern und Äußeren, getarnt als “humanitäre Hilfs- und Friedenseinsätze”, gegen die alltägliche rechte und völkisch-nationalistische Hetze und den Brandstiftungen mit Mordabsichten, gegen den staatlichen Rassismus der Abschiebungen und Abschottungen, gegen alle Beteiligungen an schon lange völkerrechtswidrigen Kriegen und Interventionen.

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