Empört über Willkür und Schikanen der Polizei

Polizei kesselt den Frankfurter Römerberg komplett ein. Bericht eines Angereisten zum Verhalten der Polizei bei Demo und Kundgebung am Nachmittag des Blockupy-Aktionstags

Polizeiabsperrung bei den Blockupy-Protesten am 18.3.

Polizeiabsperrung bei den Blockupy-Protesten am 18.3.

Wir gingen ab DGB Haus im angemeldeten Demozug auf der genehmigten Demoroute. Immer wieder wurde der Demozug von der Polizei angehalten, ohne einen uns mitgeteilten oder für uns erkennbaren Grund! Aufgrund der dadurch entstandenen Zeitverzögerung mussten wir weit vor Erreichen des Demo-Endpunktes umkehren, um noch rechtzeitig zur angemeldeten und genehmigten Kundgebung auf dem Römerberg zu gelangen.

Dort kreiste bereits ein Polizei-Hubschrauber über der Kundgebung, der ein derart penetrant störendes Geräusch erzeugte, dass es extrem schwierig und anstrengend war, den Reden der Sprecher zuhören zu können. Die auf dem Platz Anwesenden wollten die Reden hören, deshalb waren sie gekommen, und alle dort waren friedlich. Die Anwesenheit dieses lärmenden Hubschraubers war in keinster Weise erforderlich! Diese Art der Dauerstörung der Kundgebung durch beschallenden Hubschrauberlärm war nicht nur extrem unhöflich gegenüber den Sprechern und Kundgebungsanwesenden, sondern auch eine enorme Zumutung und Provokation – durch die Polizei – um uns die Kundgebung zu vergällen?

Als wir noch vor Ende der Kundgebung zu Fuß zum Hauptbahnhof zurückgehen wollten, um die restlichen KollegInnen zu treffen und noch rechtzeitig unseren Zug zu erreichen, wurden wir immer wieder von der Polizei, die nebeneinanderstehend eine Kette bildeten, ohne Angabe eines Grundes gestoppt und um- und rückgeleitet! Dass wir unseren Zug pünkt¬lich erreichen mussten, zudem auch noch ortsunkundig waren, rührte sie nicht! Schließlich kamen wir dann auf der anderen Seite des Römerberges an. Wir waren – wie ersichtlich – von der Polizei im Halbkreis geschickt worden! Bei der letzten Polizeisperre hatte dann ein Polizist Erbarmen mit uns und ließ uns durch die Sperre, so dass wir abgehetzt aber gerade noch rechtzeitig unseren Zug eine Minute vor Abfahrt erreichten. Die restlichen KollegInnen, die ebenfalls diesen Zug zurücknehmen hätten müssen, da wir Gruppentickets hatten, haben den Zug jedoch nicht mehr rechtzeitig erreichen können. Sie waren wie wir von der Polizei ebenfalls immer wieder am Weitergehen gehindert und umgeleitet worden. Im Zug mussten wir dann auch noch ein Ticket nachlösen, da der Kollege mit dem Gruppenticket fehlte, und von daher hatten wir dann auch noch zusätzliche Kosten!

Was mich sehr nachdenklich stimmt ist die Tatsache, dass wir vom Römerberg aus in Richtung Hauptbahnhof (westwärts) und nicht in Richtung EZB (die ja östlich liegt) gingen, und dennoch von der Polizei zurück zum Römerberg umgeleitet wurden. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Polizei den Römerberg quasi „eingekesselt“ hatte. Wir durften/sollten aus diesem „Kessel“ eigentlich nicht raus, wobei ein Polizist uns dann doch noch durchließ. Umgekehrt durfte aber auch keiner rein, ausgenommen Personen, die nicht wie DemoteilnehmerInnen aussahen. Diese durften rechts und links der Polizeiketten hin- und herpassieren.

Ich frage mich, wie viele Menschen aufgrund dieses „Polizeikessels“ davon abgehalten wurden an der Kundgebung teilzunehmen? Auch frage ich mich, wie viele Menschen aufgrund des kontinuierlichen Hubschrauberlärms Kopf- und Ohrenschmerzen erlitten und die Reden nicht vollends mitbekommen haben? Soll auf diese Art und Weise legitimer Protest verhindert werden, in dem die Polizei die Anweisung erhält, die Bedingungen für DemonstrantInnen so unangenehm, unerträglich und schwierig wie möglich zu gestalten, so dass diese von der Teilnahme an Protestaktionen nachhaltig abgeschreckt werden, weil sie sich einer derartig unverschämten polizeilichen Gewalt durch Beschallung, Willkür und Schikanen nicht mehr aussetzen möchten?

Bei dem Bericht handelt es sich um die Zuschrift einer Leser*in. Der Name ist der Redaktion bekannt.

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